06 Aug

Dankesgruß

Es erreichten mich viele Glückwünsche,  sicher begleitet mit Gebeten,  zu meinem Geburtstag  und zur Einweihung unseres zweiten Hauses, das auf demselben Gelände steht. Herzlichen Dank fürs mitgehen und mit dran denken.

Inzwischen ist ein Monat vergangen. Wir sind zu 90 % ins neue Haus  gezogen. Jeden Tag gibt es etwas Neues, was uns Hoffnung gibt, dass bald alle Räume bewohnt werden können. Das Gerüst ist entfernt, so dass die Affen dies nicht mehr als Sprungbrett in den 2. Stock  benutzen können. Aber wie ich diese Species  kenne, finden sie einen anderen Weg. Unser Nähzimmer ist voll in Betrieb. Unsere kleine Merline – sie ist 2,5 Jahre alt  –  spricht nur noch vom kleinen und großen Haus; denn jetzt kann sie rumlaufen   und sich müde machen. Wenn wir sie fragen, ob sie bald in den Kindergarten geht, kommt spontan die Antwort:“Nein, ich gehe ins College“.

Die Zimmer sind auch schon bewohnt. Und wenn die Anstreicher, die eigentlich schon am Donnerstag kommen wollten, endlich am Montag hier eintreffen, werden der Klassenraum, das Esszimmer und das Büro auch beziehbar sein.

Wir erlebten sehr schöne Feiern, die eröffnet wurden mit der Einweihung des neuen Hauses. Wie üblich war die Vorbereitung erst zu Ende, als die eingeladenen Gäste eintrafen. Vor dem Neubau verharrten alle; denn zuerst wird die Öllampe angezündet. Dies hat sich als schwierig erwiesen, weil der Wind geblasen hat. Nach einem Gebet wurde das Band, welches am Eingang befestigt war von Hildegard Cornelius, Direktorin der Gemeinschaft „Maria auf dem Weg“, durchschritten. Jede/r bekam einen Punkt aus Sandelpaste auf die Stirn gemacht. Die Tradition verlangt es, das man einen Topf voll Milch kocht und diese Milch überfließen lässt. Es ist ein Symbol der überfließenden Freude, des Reichtums und Glücks. Wir haben uns dann auch an die Tradition gehalten. Die Milch floss, glücklich sind wir, Freude haben wir im Herzen, aber der Reichtum lässt noch auf sich warten. Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass wir unsere Solar- Anlage doch noch bezahlen können.

Auf einem Bananenblatt wurde anschließend  ein traditionelles tamilisches Frühstück – Idli, Chattney – serviert.

Dann hatten wir unser nächstes Ziel vor Augen,  die Feier meines Geburtstages. Der Kuchen war  Gott sei Dank schon im Kühlschrank, gemacht von Hildegard Cornelius und mir; denn ich wurde ständig ans Telefon gerufen, um Glückwünsche entgegen zu nehmen, was mich natürlich sehr freute. Um 18 Uhr feierten wir gemeinsam hl. Messe.  Sechs  Priester standen am Altar. P. Peter Locher war der Hauptzelebrant und Prediger.  Es schloss sich die Gratulation an mit Kuchen, Böller und Tanz. Alle Anwesenden waren zum Abendessen eingeladen.  Es werden sicher 60 Gäste das Mahl mit uns geteilt haben. Wir hatten gut kalkuliert; denn nichts blieb übrig.

Der nächste Tag stand unter dem Zeichen des Neubeginns. 8 junge Frauen haben ihr Noviziat begonnen. Nach einer Besprechung in der es um die Gestaltung der Feierlichkeiten ging, wurde es still im Haus. Es war der Wunsch  aller, sich in der Stille auf dieses Ereignis vorzubereiten.

Um 18 Uhr sollte die Hl. Messe stattfinden. Da alle in einem blauen Sari erscheinen wollten und fürs Anziehen noch nicht genügend Routine da ist, wurde unsere Geduld  auf die Probe gestellt. Um 18.30 Uhr konnten wir endlich mit  der Hl. Messe beginnen. Dieses Mal in einem kleinen, aber feierlichen Rahmen.  Wie  es sich gehört, folgte nach den Feierlichkeiten ein ebenso gutes Abendessen.  Die jungen Frauen zeigten in einer Modeschau, wie Geistliche Frauen sich kleiden können. Überraschend fand die hellblaue und beige Tracht, zu meinem Unverständnis, den meisten Applaus.

Die noch anwesende Deutsche Gruppe war dann doch sehr neugierig und gespannt auf das Fußballspiel Deutschland- Argentinien, das wir wenigstens über Internet – Ticker durch Schrift und Wort miterleben konnten. Ach, fast hätte ich es vergessen, beim Ticker lesen, haben wir natürlich ein schönes kühles Bier getrunken – unter Ausschluss der Öffentlichkeit, versteht sich.  Alkohol ist in Indien verpönt. Es/Ihn zu bekommen ist einfach, aber nicht für Frauen und nicht in unserem Dorf; denn das würde meinen Namen ruinieren, also muss dies heimlich besorgt werden.

Der Sonntag war da zum Ausklang. Wir begrüßten  Christian Betz, der  zu einem kurzen Besuch bei uns  war. Dreimal dürfen Sie raten, was er im Auto mitgebracht hat? Richtig!! Bier!

Dann holte uns der Alltag wieder ein. Die Dekoration, die die noch nicht fertigen Teile des Baues überdeckt hat, wurde entfernt. Es wurde sehr eifrig an der künstlerischen Gestaltung zweier großer Fenster gearbeitet. Diese zieren die Vorderfront des Hauses.

Mein Tag ist nun auch noch ausgefüllter. Der Morgen besteht  aus zweimal 60 Minuten Unterricht.  Es wäre zu erwähnen, dass Sie  jederzeit bei uns anrufen können, auch wenn Sie kein Englisch können. Die jungen Frauen können jetzt auf Deutsch sagen:“Warten sie einen Moment, ich rufe Gisela“. Wir lernen auch Deutsch. Die Anregung kam von den Ehemännern, die ihre Frauen einmal im Jahr nach Viralimalai reisen lassen, um im Nähzimmer die Qualität der Näherinnen zu verbessern.

Seit dem 27. Juli ist eine neue Jugendliche aus Deutschland zu uns gekommen. Sie wird für 13 Monate bei uns im Haus wohnen und helfen wo Not an der „Frau“ ist. Ich denke, dass sie schon ihr Tätigkeitsfeld in unserem Nähzimmer gefunden hat.

Schon oft habe ich von Amsa mit ihren Kindern Balakrishna, Renuga und Sugenya geschrieben. Gestern kam die Mutter und wollte Geld haben; denn man hat ihren Mann ins Gefängnis gebracht, da er Amsa, in der Öffentlichkeit, mit einem Schal so gewürgt hat, dass sie beinahe erstickt ist, und sie will ihn wieder rausholen.Was soll man da noch sagen? Sie kann nicht mit ihm leben und scheinbar nicht ohne ihn.

In einigen Wochen werden wir eine neue Webseite mit neuer Adresse herausbringen, dafür bin ich Christian Klant sehr dankbar. Dort können Sie dann auch die Bilder anschauen, die an unseren Festtagen gemacht wurden. Gedulden Sie sich noch ein wenig; denn Christian ist zurzeit in Katmandu.

Mit herzlichen Grüßen von uns allen.

Deine/Ihre Gisela